Kleine Ursache, große Wirkung                              #ITfightsCorona

Achim Heisler, macht sich als Stimme aus dem Channel Gedanken, wie die Corona-Hilfe vom Staat verteilt werden sollte. Außerdem prangert er Fehler an, die in der Vergangenheit aus Gier gemacht wurden – nicht nur vom Staat sondern auch in der IT.

Kleine Ursache, große Wirkung: So einfach kann man das beschreiben, was momentan unser gewohntes Leben und damit verbundene Prozesse auf den Kopf stellt. Ein winzig kleines Virus hat unsere Welt im festen Griff und seine Folgen für die gesamte Menschheit sind zum jetzigen Zeitpunkt für uns nur zu erahnen. Bei allem Leid für die Opfer und mit schwerem Verlauf betroffenen Personen werden jetzt viele Lücken und Systemfehler aufgedeckt, über die vorher niemand mit uns sprechen wollte. Schlimmer noch, hat man es in öffentlichen Diskussionen oder Artikeln angesprochen, wurde man als Bremser oder Schwarzmaler bezeichnet.

Damit sich aber die Leute vielleicht wieder etwas besser erinnern, werde ich versuchen, zu allen Punkten ein paar Beispiele aus der Vergangenheit zu erwähnen. Denn gerade die, die jetzt ganz laut schreien, haben jeden Ansatz von Kritik am System gerne im Keim erstickt. Aber wie wir ja alle wissen, leidet dieser Personenkreis gerne unter partiellem Gedächtnisschwund oder aus Versehen gelöschten Mobiltelefonen (was bei einigen dasselbe ist).

Gewinn maximierte Lagerung

Fangen wir mal bei etwas Akutem an: Seit Jahren werden immer mehr Produkte, und eben auch Medizinprodukte nur noch in besonders günstigen Drittländern produziert. Was der Gewinnmaximierung einiger Weniger dient, fällt uns nun vor die Füße. Selbst die Vorratshaltung, die als Puffer hätte dienen können, existierte wohl nur in Form rollender oder schwimmender Lager – sprich Container auf LKWs oder Schiffen. Ich weiß nicht, in wie vielen meiner Artikel ich die Verantwortung des Staates und auch dessen gezielte Einflussnahme auf kritische Infrastrukturen gefordert habe, aber erst jetzt, werden Schnellschüsse propagiert, um auf das Problem zu reagieren. Wie zu Zeiten des kalten Kriegs sind verteilte Lager, mit denen für die Versorgung der Bevölkerung wichtigen Produkten nötig, die in wie auch immer geachteten Krisenszenarien als große Puffer dienen und Panik in der Bevölkerung verhindern.

Aber was wären das für Kleckerbeträge im Vergleich zu den Billionen Euro, die jetzt auf uns zukommen. Weiterhin sollten wir gerade in diesem Abschnitt ganz schnell lernen.

Was ist, wenn das nächste Virus schlimmer wird und wir weiterhin unsere Infrastruktur nicht mehr unter Kontrolle haben? Der private, nur auf Gewinnmaximierung geprägte Eigentümer von Wasserwerken oder Leitungssystemen wird uns erst dann informieren, wenn die Verantwortlichen sich ins Ausland abgesetzt haben und uns mit den Folgen alleine lassen.

Vielleicht finde ich ja heute mehr Gehör mit meiner Forderung, dass kritische Infrastruktur nicht in private Hand gehört. Services und Dienstleistungen, die darauf aufbauen, können wir gerne privat und gewinnorientiert betreiben. Aber im Notfall, muss es einen einheitlichen, schnellen Zugriff auf diese Strukturen geben, um die Bevölkerung zu schützen. Dann können wir uns vielleicht in Zukunft die Peinlichkeit ersparen, dass unsere Lokalpolitiker Hilferufe an die chinesische Regierung schreiben. Und Politiker dann scheinbar überrascht feststellen, dass ja fast alle Produkte nur noch in China hergestellt werden.

Gutes Equipment für Homeoffice-Infrastruktur

Ein weiteres Beispiel findet man nun zum Thema Homeoffice.

Auch hier gerne ein paar Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit. Zu teuer, nicht nötig, nicht mit unserer Firmenpolicy zu vereinbaren, °> zu kompliziert wegen Datenschutz ( DSGVO), °> Prozesse lassen sich nicht auslagern,  °> Sitzergonomie am Heimarbeitsplatz…. Glaubt jemand wirklich, dass ich seit der letzten Woche, bei all den panikartigen Anrufen und Blitzkonzeptumsetzungen auch nur einmal eins dieser Argumente gehört hätte? Es waren eher Fragen wie: „ Können Sie mal eben noch ein paar Laptops für unsere Mitarbeiter liefern?“ oder „Was haben wir denn für eine Internetleitung?“     Meine schlauen Kunden erfreuen sich nun an ihrem vielleicht etwas teureren Internetanschluss und professionellen Routern mit hardwarebeschleunigtem VPN. Denn ihre Mitarbeiter können nun auch von Zuhause fast so arbeiten wie im Büro und müssen sich nicht mit instabilen Verbindungen herumärgern.

Ich möchte nicht wissen, wie viele „Experten“ in den letzten Tagen einfach wider den RDP-Port am Router aufgemacht haben. Man hätte viel Zeit gehabt, Remote-Konzepte zu prüfen und auszuarbeiten, um sie für den Bedarfsfall einsatzbereit zu haben. Stattdessen erleben wir wie immer ad hoc vermischt mit einer Prise Panik und wundern uns dann über die langfristigen Auswirkungen. Aber, das kann ich jedenfalls für meine Kunden sagen, das Ganze lief recht gut und hat es den Firmen ermöglicht, den Betrieb fortzuführen. In dem Fall hat sich die Infrastruktur bis zum jetzigen Zeitpunkt als belastbar erwiesen und trägt so sicher dazu bei, die Auswirkungen der Krise zu mindern.

Schrei nach Staatshilfe

Aber dies sind leider nur alles sehr kleine Bausteine im Räderwerk der globalen Wirtschaftsprozesse. Denn dort passieren gerade wieder Dinge, die uns auch ohne Virus das Genick brechen können. Blenden wir mal ein paar Monate zurück: Rekordgewinne beim Staat, bei den Banken, bei Großkonzernen wie Google, Apple und Microsoft, deutsche Automobilbauer, Maschinenbauer und Zulieferer unter Volllast, auf der verzweifelten Suche nach Fachkräften. Handwerker sind nicht zu finden, eine Messe und Veranstaltung jagt die nächste, Hotels und Restaurants sind zu den Zeiten nur zu Wucherpreisen zu bekommen und dem Leben auf der Überholspur sind scheinbar keine Grenzen gesetzt. Zehn Jahre globaler Aufschwung haben Billionen von Dollar in die Kassen der Unternehmen und des Staats gespült.

Heute, nach nicht mal einen Monat Corona, sind gefühlt alle pleite und es wird nach Staatshilfen geschrien. Und als ob es keine Morgen gäbe, macht die Politik international ihr Füllhorn auf und verspricht Rettung für jeden. Bei gewissen Unternehmensarten, die sehr vorleistungsintensiv sowie personalaufwendig sind, kann ich die Probleme nachvollziehen zum Beispiel bei Messebauern, Hotels oder Restaurant nach Zwangsschließung. Hier sollte der Staat schnell und unbürokratisch helfen.

Staatsgeld auch für schlechte Geschäftsführung?

Aber was ist mit all den anderen, die seit zehn Jahren Geld verdient und augenscheinlich nichts zurückgelegt haben. Die sollen nun mit unseren Steuergeldern aus der Staatsgießkanne (oder neudeutsch mit „Helikoptergeld“) gerettet werden. Das Geld könnten wir auf einem Scheiterhaufen verbrennen und es wäre nicht sinnloser. Wenn ich der Presse die Bettelbriefe von Konzernen wie Karstadt-Kaufhof oder Vapiano lese, dann wird mir übel.

Karstadt-Kaufhof, seit Jahren im Todeskampf, von mehreren „Investoren“ professionell ausgesaugt und ohne zukunftsträchtiges Geschäftsmodell, ist nicht zu retten. Vapiano konnte nicht schnell genug wachsen und muss die Gier der Aktionäre und Anteilseigner befriedigen. Wenn man sich aber die Anteilsstruktur anschaut, sollte hier nicht der Staat sondern die armen Tchibo-Erben ein paar Millionen locker machen, um ihre Firma zu retten.

Bei den Großen hätte man ja noch ein gewisses Maß an Kontrolle, aber bei der großen Zahl der „Soloselbständigen“ oder Kleinstunternehmen wird es schwierig zu filtern. Gerade bei uns in der IT-Branche gibt es viele Firmen in diesem Bereich. Was könnte man von Staatsseite tun, um die richtigen zu retten und nicht unsere Zukunft in Luftnummern zu investieren?

Ich denke mir, dass wir hier sogar ganz einfach und pragmatisch vorgehen können. Denn es sollen ja die gesunden Firmen gerettet werden, die seit Jahren mit ihren Steuern und Abgeben unseren Staat finanzieren. Somit würde ich den Ansatz, diesen Firmen die Einkommensteuer/Gewerbesteuervorauszahlungen und/oder die Vorsteuer zu erlassen ganz klar begrüßen. Damit wäre sicher gestellt, dass die Firmen viel erlassen bekommen, die auch vorher viel bezahlt haben – also wirtschaftlich stark waren. Und alle Steuertrickser, Nullgewinnoptimierer und nicht wirklich rentabel arbeitenden Firmen fallen durch das Raster.

Ein fast noch wichtiger Punkt ist unsere Zukunft. Denn die Billionen an Schulden die gerade gemacht werden sollen, müssen irgendwann zurückgezahlt werden. Und beim Neustart ist es nicht gerecht, das gesunde Unternehmen in der schlechten Zeit ihre Substanz aufgebraucht haben, da sie von ihren Rücklagen gezehrt haben und die Pleitegeier mit Steuergeldern in die Zukunft getragen werden. Denn sie werden auch dann wieder nicht zum Allgemeinwohl beitragen, sondern ihr schlechtes Geschäftsmodell fortführen. Die Maßnahme der Steueranpassung lässt sich für alle schnell umsetzten, da die Zahlen für die Vergangenheit und auch die Vorauszahlungen für 2020 bereits festgelegt sind. Das Modell ist einfach und im Detail sicher etwas differenzierter anzuwenden. Aber es lässt sich sehr schnell umsetzen und die Zahlen sind für jeden nachvollziehbar.

Zum Schluss würde ich mir noch wünschen, dass die Menschheit aus der Krise lernt, und wir nicht nach ein paar Monaten wieder zu den bekannten Mustern zurückkehren. Denn beim nächsten Mal kommen wir vielleicht nicht so glimpflich davon und dann werden Trinkwasser und Brennholz die neuen Statussymbole.